Wir verstehen uns als ein Ort für Kinder und deren Familien, an dem jeder so sein darf, wie er ist. Jeder Mensch birgt einen Schatz in sich, den es gilt zu entdecken und wertzuschätzen. Diese Haltung wollen wir im Zusammenleben mit den Kindern, in der Erziehungspartnerschaft mit den Eltern und auch in der Zusammenarbeit im Erzieherteam leben.
Die Werte, die uns wichtig sind, und das Menschenbild, das wir haben, prägt unser Handeln – das gilt besonders für die pädagogische Arbeit. Uns als Pfarrgemeinde ist es wichtig, den Kindern (nicht nur aus unserer Gemeinde, sondern allen, die sie besuchen) eine Kindertagestätte zu bieten, in der die Begleitung der Kinder – gerade der Kleinsten – vom christlichen Geist geprägt ist. Dieser drückt sich in besonderer Weise in der Wertschätzung und der Annahme eines jeden Menschen mit seinen Stärken und Schwächen aus. Diese Haltung ist jedoch nicht auf die Kinder beschränkt, sie prägt auch die Kooperation mit den Eltern und die Zusammenarbeit zwischen uns und den Mitarbeiter/innen der Einrichtung. Wir als Träger sehen die Kinderkrippe und den gesamten Kindergarten als selbstverständlichen und integralen Teil der Pfarrgemeinde, in dem Kinder auf dem Weg zu einem religiösen Bewusstsein und einer religiösen Sprachfähigkeit begleitet werden. Damit verbunden sind die Einübung katholisch-christlicher Werte und die Feier der religiösen Feste im Jahreskreis.
Im Januar 2015 haben wir uns auf den Weg zum Familienstützpunkt gemacht. Bis zu diesem Zeitpunkt war unser Blick primär auf die kindliche Entwicklung gerichtet. Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern zielte allein darauf ab, eine optimale Begleitung und Betreuung des Kindes zu ermöglichen. Nun haben wir die Familien anders im Blick: Wir fragen uns, mit wem haben wir es zu tun? Wir wollen die Vielfalt unserer Familien wahrnehmen: Welche Familienformen gibt es unter unserem Klientel? Welchen Herausforderungen müssen sich die Familien heute stellen? Wo sind Ressourcen und Stärken?
Ein erster Schritt war daher die Erforschung unseres Umfelds. Schon allein durch diese differenzierte Sozialraumanalyse hat sich unser Blick verändert. Somit wurde auch ein Wandel der Haltung im Team spürbar. Wir wollen alle Familien mit ihren individuellen Bedürfnissen wahrnehmen und eine Atmosphäre von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung schaffen.
Als Familienstützpunkt möchten wir Sie als Familie kennenlernen, Sie dort stützen und beraten, wo Sie es brauchen. Wir möchten Sie als Experten Ihrer Kinder sehen und Sie in Ihrer Elternkompetenz (be)stärken. Hierzu zählen wir nicht nur die Entwicklungs- und Beratungsgespräche zwischen Ihnen und uns, sondern auch die Schaffung von Austauschmöglichkeiten der Elternschaft untereinander.
Ein Familienstützpunkt versteht sich auch nicht als Insel, sondern ist vernetzt mit anderen Beratungs- und Fachdienststellen. Gerne nehmen wir Kontakt zu anderen professionellen Diensten oder sozialen Anlaufstellen auf und sehen uns als Vermittlungsstelle.
Wir haben uns auf den Weg gemacht aber wir sind nicht am Ziel, sondern verstehen uns als ein, sich ständig weiterentwickelndes System, in dem Vielfalt erlaubt ist und jeder seinen Platz finden soll.
Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.
(Franz Kafka)
Unsere systemische Haltung ist geprägt von Achtsamkeit, Respekt und Wertschätzung, die wir jedem Menschen entgegenbringen. Wir sehen jeden Menschen im Beziehungsgeflecht seines Umfelds. Dabei spielt seine Lebens- und Familiengeschichte eine wesentliche Rolle. Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch, jede Familie den eigenen Lebensweg genau so geht, wie er für ihn im Moment richtig ist. Dies wollen wir wertschätzen und anerkennen. Uns ist dabei besonders wichtig, den Blick auf die Stärken jedes einzelnen Menschen zu richten. Besonders bei den Kindern wollen wir diese Stärken entdecken, zutage fördern und ihnen bewusst machen.
Um eine gefestigte Persönlichkeit zu werden, ist ein gutes Wissen um den inneren Selbstwert unabkömmlich. Uns ist es daher wichtig, den Kindern so viel selbstwertstärkende Erfahrungen mitzugeben, wie es nur geht. Somit wissen sie um ihre Fähigkeiten und innere Stärke und können im späteren Leben auch in eventuellen Krisenzeiten darauf zurückgreifen. Macht ein Kind viele selbstwertstärkende Erfahrungen…
Wir wollen daher „Schatzsucher“ sein und die inneren Fähigkeiten Ihres Kindes entdecken, es ermutigen und immer wieder bestärken, Neues auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln. Dies geschieht vor allem im täglichen Miteinander aber auch durch gezielte Angebote z.B. in unserer „Pippi-Langstrumpf-Gruppe“ (= Stärkengruppe).
Um den Kindern den Einstieg in die neue Situation und die erste Abnabelung von den Eltern so leicht wie möglich zu machen, arbeiten wir angelehnt an das Berliner Eingewöhnungsmodell, bei welchem die Eltern intensiv an der Eingewöhnung beteiligt sind. Dieses Modell bietet die Möglichkeit einer sanften Eingewöhnung und orientiert sich einzig an der Geschwindigkeit des Kindes. Das Kind darf sich in seinem eigenen Tempo an die neue Umgebung und die neuen Bezugspersonen gewöhnen. Dies dauert meist zwischen 1 bis 4 Wochen, in Einzelfällen auch länger.
Wir wollen dem Kind die Möglichkeit geben, eine tragfähige Beziehung zum Fachpersonal zu entwickeln, die ihm die Sicherheit gibt, die es bisher nur von den Eltern her kennt. Dies ist nur möglich, indem die Hauptbezugsperson (Mutter/Vater) diese Sicherheit am Anfang noch selbst bietet und dann nach und nach in die Hände der neuen Bezugsperson übergibt.
Das Gefühl der Sicherheit durch eine gute Beziehung zur Fachkraft ist die Grundlage für gelingende Bildungsprozesse in Krippe und Kindergarten und für einen gesunden Start des Kindes in seinen neuen Lebensabschnitt.
Die Eingewöhnungszeit nach dem Berliner Modell wird in 3 Phasen untergliedert:
Diese dauert mindestens 3 Tage. Während dieser Zeit kommt die Bezugsperson mit dem Kind für ca. eine Stunde in die Krippe und bleibt die ganze Zeit da. Sie verhält sich möglichst passiv, gibt dem Kind die Möglichkeit, die neue Umgebung selbst zu erkunden, ist aber immer als „sicherer Hafen“ für das Kind sichtbar. Das Fachpersonal macht erste Annäherungsversuche, drängt sich aber nicht auf. Wickeln und Füttern ist in dieser Zeit noch Aufgabe der Bezugsperson.
Am vierten Tag findet ein erster Trennungsversuch statt. Die Bezugsperson verabschiedet sich von ihrem Kind und verlässt den Raum, bleibt aber in der Einrichtung. Weint das Kind nicht oder nur kurz, kommt die Bezugsperson nach einer halben Stunde wieder und holt das Kind ab. In diesem Fall endet die Grundphase. Weint das Kind sehr stark und lässt sich nicht beruhigen, kommt die Bezugsperson nach höchstens fünf Minuten wieder und holt das Kind ab. In diesem Fall muss die Grundphase verlängert werden. Der nächste Trennungsversuch findet erst nach ein paar Tagen statt.
Diese löst die Grundphase ab. Die Trennungszeiten werden jeden Tag gesteigert und das Kind kann immer länger in der Krippe bleiben. Die pädagogische Fachkraft baut den Kontakt zum Kind weiter aus, bietet sich als Spielpartner an, kümmert sich immer mehr um das Kind, sodass das Kind sie immer mehr als sicheren Hort und als Bezugsperson akzeptiert.
Nun wird die Fachkraft vollständig als sichere Basis akzeptiert. Die Eltern brauchen sich während der Trennungsphase nicht mehr im Haus bzw. in der Nähe aufhalten, müssen aber für den Notfall erreichbar sein. Es kann zwar bei der Trennung von den Eltern noch Tränen geben, das Kind lässt sich aber von der Fachkraft trösten und ablenken.
Das Wort „Bildung“ ist in der heutigen Zeit in aller Munde und wird in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen sehr wichtig genommen. Häufig ist damit hauptsächlich Bildung im Sinne von Wissen und Können gemeint. Doch Bildung im vorschulischen Bereich bezieht sich viel mehr auf die Bildung der Persönlichkeit, die Bildung von Basiskompetenzen wie z.B. sozialen Kompetenzen und Resilienz, Bildung von sprachlicher Kompetenz, die Bildung von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein usw. Bildung in diesem Sinne macht unsere Kinder stark für‘s Leben und die Herausforderungen, die ihnen die Zukunft noch stellen wird. Dies gilt natürlich auch schon für die ganz Kleinen. Schon im Krippenalter wird der Grundstein gelegt für die Fähigkeit, mit allen Schwierigkeiten des Lebens umzugehen und zurecht zu kommen. Die folgenden Bildungs- und Erziehungsbereiche sind uns besonders wichtig und werden verstärkt von uns gefördert.
Dazu gehören im Krippenbereich vor allem…
Dies fördern wir, indem wir die Kinder akzeptieren, wie sie sind. Wir arbeiten mit sehr viel Lob und lassen sie Fehler machen, ohne sie dafür zu tadeln. Jedes Kind ist für uns gleich liebenswert, ganz gleich, welche Stärken und Schwächen oder Eigenarten und Persönlichkeitsmerkmale es mitbringt.
Wir ermutigen die Kinder, soziale Kontakte mit den anderen Kindern aufzunehmen. Wir unterstützen sie darin, Konflikte zu lösen ohne handgreiflich zu werden. Die Kinder lernen, auf andere zu achten, Rücksicht zu nehmen, sich selbst manchmal zurückzunehmen, sich an Regeln zu halten. Aber auch, sich durchzusetzen, eigene Standpunkte zu vertreten und Gefühle zu zeigen. Sie lernen, andere und deren Rechte zu akzeptieren, auch wenn sie anders sind, als sie selbst.
Nicht immer läuft alles so, wie wir uns das vorstellen. Das geht auch den Kindern so. Wir helfen ihnen, mit schwierigen Situationen umzugehen, Frustrationen auszuhalten. Wir helfen ihnen, Wege zu finden, sich abzulenken und zu trösten, Gefühle zu zeigen, ohne sich davon übermannen zu lassen. Diese Fähigkeit brauchen sie in jeder Phase ihres Lebens.
Kinder wissen schon von Geburt an, wann sie Hunger oder Durst haben, wann sie satt sind, was ihnen schmeckt. Sie fühlen Schmerz, sie fühlen Angst, Freude, Wut, Traurigkeit. Manche finden es angenehm, berührt zu werden, andere mögen es nicht. Wir ermutigen die Kinder, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu äußern, nehmen sie ernst und gehen darauf ein. Wir vermitteln den Kindern, dass es gut und richtig ist, was sie fühlen und spüren und lassen sie selbst über ihren Körper und seine Bedürfnisse bestimmen.
Ein/e Erzieher/in / Kinderpfleger/in in der Krippe hat nicht eine benennbare Rolle. Unser Alltag besteht aus vielen verschiedenen Rollen. So sind wir Spielpartner, Tröster, Kuscheltante, Krankenschwestern, Geschichtenerzähler, Beschützer, Aufpasser, Clown, Beobachter u.v.m. Unsere Hauptaufgabe jedoch sehen wir darin, Lernbegleiter für das Kleinkind zu sein. Bei allem, was die Kinder tun, und sieht es noch so einfach oder drollig aus, lernen die Kleinen. Ihr Alltag, egal ob zu Hause oder in der Krippe, ist geprägt von vielen Lernerfahrungen. Jedes Kind lernt und entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Wir kennen durch intensive Beobachtung und den fortwährenden Austausch mit Ihnen, den Eltern, den Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes und unterstützen es dabei, sich weiter zu entwickeln. Dies tun wir durch verschiedenste (Spiel-)Angebote, doch vor allem auch durch eine einfühlsame Beziehung zu den Kindern. So wird ihnen die nötige Sicherheit gegeben, um neue Dinge auszuprobieren und zu erfahren. Dabei ist es uns sehr wichtig, jedes Kind mit seinen Stärken wahrzunehmen und zu fördern.
Der Begriff Lernbegleiter bedeutet aus unserer Sicht, dass die Kinder sich selbst entwickeln wollen. Jedes Kind trägt diesen Entwicklungsdrang in sich. Dabei hält es sein individuelles Tempo und seine eigene Reihenfolge ein. Außerdem bringt jedes Kind andere Talente, Eigenschaften und Grunderfahrungen mit.
Wir als Lernbegleiter sind an der Seite jedes Kindes und geben ihm das, was es gerade braucht. Das heißt für uns:
So schaffen wir die Basis für die Meisterung aller zukünftigen Herausforderungen bis ins Erwachsenenalter hinein. Unser Ziel ist es nicht, dass das Kind bei uns lernen muss, zu schneiden, zu basteln, zu zählen, zu puzzeln… Es heißt vielmehr, dass das Kind erlebt: „Ich werde akzeptiert, wie ich bin.“ Indem wir ihm Liebe und Zuneigung geben, es wertzuschätzen, es in seinen Eigenarten und in seiner Einzigartigkeit stärken, werden sein Selbstwertgefühl und sein Selbstbewusstsein gefördert und gefestigt. Nur wer sich angenommen, geliebt und akzeptiert fühlt, kann auch schwierige Lebenssituationen wie Rückschläge, Frustrationen, Trauer usw. meistern. Hierfür wollen wir in der Krippe gemeinsam mit Ihnen, den Eltern, die Basis schaffen. Was Kinder in ihrer frühesten Kindheit lernen und verinnerlichen, prägt sie für ihr ganzes Leben.
Übergänge sind für die Kinder ein großer Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Sie sind einschneidende Ereignisse und sind oft verbunden mit Angst und Unsicherheit. Um den Kleinen diese Schritte zu erleichtern, sind gut gestaltete Übergänge sehr wichtig.
Der Übergang von der Familie in die Krippe wird durch unser bereits beschriebenes Eingewöhnungsmodell sehr sanft und individuell gestaltet.
Auch für den Übergang von der Krippe in den Kindergarten haben wir ein sanftes, gleitendes Konzept entwickelt, den sogenannten Mini-Club. Dieser besteht aus den Krippenkindern, die im September in den Kindergarten kommen (den „großen Kleinen“), den Kindergartenkindern, die erst seit letztem September im Kindergarten sind (den „kleinen Großen“) und jeweils einer Betreuungsperson aus jeder Gruppe. Ab Januar trifft sich diese Gruppe einmal wöchentlich in den Kindergartenräumen, um gemeinsam zu singen und zu spielen. Die Kinder lernen so schon frühzeitig und allmählich ihr neues Umfeld, die neuen Bezugspersonen und die Kindergartenkinder kennen, ohne jedoch die Sicherheit des Altbekannten zu verlieren.